Zur Entlastung der Kranken- und Pflegeversicherung hat eine Gruppe jüngerer Unionsabgeordneter eine Sonderabgabe für Kinderlose gefordert. [...]http://www.stern.de/news2/aktuell/juengere-cdu-abgeordnete-planen-abgabe-fuer-kinderlose-1785532.html
Die Abgabe soll dem Bericht zufolge ein Prozent des Einkommens betragen und nach der Anzahl der Kinder gestaffelt werden: Kinderlose sollen voll zahlen, Eltern mit einem Kind die Hälfte, Eltern mit zwei oder mehr Kindern sollen nicht belastet werden. "Insbesondere in der Kranken- und Pflegeversicherung profitieren Menschen mit keinem oder einem Kind derzeit erheblich davon, dass andere ihrer Generation zwei oder mehr Kinder bekommen haben, weil sie im Alter dieselbe solidarische Leistung mit deutlich geringerem Einsatz bekommen", begründen die Abgeordneten laut "Spiegel" ihren Vorstoß.
Was die Abgeordneten offenbar nicht bedenken, ist die Ursache der Kinderlosigkeit bzw. warum kinderreiche Familien immer weniger geworden:
- 1. Beruf und Familie sind nicht immer vereinbar: => real stagnierende Löhne bei deutlich steigender Inflation, sozialer Hintergrund (Armut, Schulden, Arbeitslosigkeit)
- 2. Kinderlosigkeit aus medizinischen Gründen: => Erbkrankheiten, Kindererkrankungen (z.B. Mumps), bösartige Tumore (z.B. Hodenkrebs)
- 3. Homosexualität (ohne Adoptionswunsch)
Natürlich hat sich auch das Familienbild gewandelt, aber das liegt nicht nur an der Emanzipation der Frau, sondern auch an den veränderten Ansprüchen im Beruf, d.h. mehr Flexibilität und Mobilität, befristete Verträge, Zeitarbeit, also nicht unbedingt vereinbar mit Sesshaftigkeit (und ob es für Kinder das Richtige ist, wenn sie alle paar Jahre aus ihrer vertrauten Umgebung herausgerissen werden, sei dahingestellt) und erst recht nicht mit Planungssicherheit (Kind ist da, aber nächstes Jahr arbeitslos?).
Darüberhinaus kann man den Kinderlosen die demographische Schieflage nicht alleinig in die Schuhe schieben. Diese könnte man natürlich über mehr Zuwanderung lösen, aber die Zuwanderung aus bildungsfernen Schichten spült nun mal nicht viel Beiträge in die Kranken- und Rentenkassen. Zudem werden sehr häufig Ausbildungen/Qualifikationen aus Ostblockländern nicht anerkannt, d.h. potentiell kassenbeitragsträchtige Einzahler wie Ärzte und Lehrer landen schlussendlich im Taxifahrergewerbe.
Statt Kinderlose, die sowieso schon mehr Steuern zahlen müssen, zusätzlich für die Kinderlosigkeit zu bestrafen, sollte man die Löhne der Inflation anpassen, und insbesondere einen Anreiz schaffen, zu arbeiten, nicht von Hartz4 zu leben. Leider gibt es genügend Härtefälle, in denen mit Hartz4 mehr "verdient" wird als mit Arbeit.
Zudem muss die Ausbildung leistbar werden, denn Schule und Universität sind teuer und eine angemessene Ausbildung für die Zukunft, in einer Ellenbogenmentalitätsgesellschaft, können sich Familien aus armen Verhältnissen trotz staatlicher Zuschüsse oft nicht leisten.
Hier kommt eben auch der Mangel an Weitsicht ins Spiel, da wir nur in Generationen denken, strenggenommen sogar nur in Jahrzehnten:
- Die Löhne dürfen nicht steigen, weil das der Wirtschaft schadet, obwohl steigende Löhne in höheren Ausgaben für Konsumgüter resultieren, was wiederum der Wirtschaft nützt (Wirtschaftsparadoxon).
- Mehr Geld für die Bildung ist nicht da, weil wir das "Budget konsolidieren" müssen, obwohl das Budget viel stärker reguliert werden könnte, wenn mehr Besserverdienende Steuerabgaben in die Staatskassen fließen lassen.
Strafzahlungen für Kinderlose werden nicht zum plötzlichen Kinderreichtum führen, solange sich an den Lebensbedingungen nichts ändert. Mit Sicherheit wird sich die demographische Schieflage verschärfen, zumal durch die derzeitigen massiven Schulden auch die Inflation weiter ansteigt, und die Löhne netto gleichbleiben bzw. unerheblich steigen. Der Trend zur Zeitarbeit hält an, und Budgetkonsolidierungen lassen staatliche Zuschüsse für Familie und Bildung nicht zu.
Summa summarum:
Zu kurz gedachter Vorschlag und obendrein ein Schlag ins Gesicht derer, die ungewollt kinderlos sind.
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